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ANABASIS. OPEN CALL

Das von Paul Celan, einem der größten deutschsprachigen Dichter des 20. Jahrhunderts inspirierte Projekt ANABASIS lädt deutsche und ukrainische Künstler*innen im Bereich Videokunst und Digital Media ein, sich in einer geförderten Workshop- und Projektphase (online-residency) mit Fragen der Identität und des Posthumanismus auseinanderzusetzen. Die entstandenen Arbeiten werden im November 2021 präsentiert.

Paul Celan, dessen 100. Geburtstag im November 2020 gefeiert wurde, eignet sich mit seinem vielschichtigen Werk in besonderer Weise, um die Tragödien, Risse und Traumata, die sich im 20. Jahrhundert in den kollektiven Körper der Menschheit eingeschrieben haben, auf die Frage hin zu untersuchen, welchen Fliehkräften die Identitätsbildung der/des Einzelnen ausgesetzt ist, wenn Selbst- und Fremdzuschreibung als Segen und Fluch der Identität in einem produktiv unruhigen und motivisch nicht einzulösenden Prozess einander bedingen und zugleich ausschließen. 

Auf Grundlage der Poetik in ausgewählten Gedichten Celans soll das Dilemma der zirkulären Struktur der Identitätspolitik mit theoretischen Impulsen der Gegenwart in Verbindung gebracht werden, die gerade in der Verweigerung der Neuformation des Materials eine Stärke sehen, die Utopie, als radikal Unverfügbares selbst die Rolle des Fluiden, die Rolle des Sprechenden zu übernehmen.

Mithilfe der Kunst Digitaler Medien sollen solche posthumanistischen Vorstellungswelten ausgelotet und hinterfragt werden. Kern und Konzept dabei ist Celans Gedicht „Anabasis“, das für den Philosophen Alain Badiou eine Technik darstellt, im unkartierten Gelände, im konstitutiv Fremden des Materials einer Landschaft, in der selbstdisziplinierten Unruhe zuhause zu sein.

Und wie viel Konfrontation hält andererseits der Begriff der “Kompostierbarkeit” des Menschen („We are humus not Homo“) von Donna Haraway aus, wenn man ihn tatsächlich an die stark von der Identitätsfrage geprägte Erinnerungskultur heranführt, an die Grabkanten der Zerstörung im 20. Jahrhundert. Ebenso gilt es, die utopischen Dispositionen dieser hybriden, instabilen Objektwelten auszuleuchten und für die Kunst fruchtbar zu machen (Dunkle Ökologie, Spekulativer Realismus).

Für das Projekt werden 10 Künstler*innen zu gleichem Anteil aus Deutschland und der Ukraine ausgewählt (es gilt das Land des Schaffens- und Lebensmittelpunktes, nicht die Nationalität), die für die Projektphase und die Produktionskosten ihrer Beiträge eine Gesamtfördersumme von 800 EUR oder ein Äquivalent in UAH erhalten. Während einer zweiwöchigen Residenzphase in der zweiten Julihälfte sind die Künstler*innen eingeladen, an internen Online-Veranstaltungen mit ausgewählten Gästen teilzunehmen. Die Veröffentlichung der künstlerischen Beiträge erfolgt digital und exklusiv auf der Projektseite anabasis.space.

Wann? 19.07.2021 – 01.08.2021
Wo? ZOOM

Mehr Info und die Bewerbungsform finden Sie auf der Website: anabasis.space

ANABASIS ist ein Projekt vom Zentrum Gedankendach und Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, IKGS. Das Projekt wird von der EU im Rahmen des Programms House of Europe gefördert.